Im Herbst 1914 nahm das deutsche Heer ca. 300.000 Kriegsgefangene, besonders an der Ostfront, aber auch an der Westfront, gefangen. Die Soldaten wurden in behelfsmäβigen Gefangenenlagern untergebracht, denn alle glaubten, dass der Krieg nur von kurzer Dauer sein würde. Ende des Jahres 1914 wurde jedoch klar, dass man sich auf einen lange andauernden Kampf einstellen müsste, bei dem die Produktion in Industrie und Landwirtschaft eine entscheidende Rolle spielen würde. Die Kriegsgefangenen wurden deshalb als billige Arbeitskräfte eingesetzt, als Ersatz für die eingezogenen deutschen Soldaten.

Nach Nordschleswig kamen etwa 7.000 Kriegsgefangene, die meisten von ihnen waren Russen, aber es kamen auch Engländer, Franzosen und Italiener. Überall in Nordschleswig waren die Russen am beliebtesten. Sie wurden zunächst in Gefangenenlagern untergebracht und zur Arbeit auf die Höfe geführt. Später wohnten sie immer häufiger bei den Familien auf dem Hof. Die vielen tausend fremden Soldaten, obendrein Feinde Deutschlands, fügten sich erstaunlich gut in die tägliche Arbeit ein, und es gab nur wenige gewalttätige Zwischenfälle.